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Anne Martin

Als ich 30 wurde, erreichte mich mehrfach folgender Wunsch: Ich solle endlich einen Job finden, der mich erfüllt. Ich bedankte mich artig und begoss die Glückwünsche je mit einem Wodka-Martini.

Nach einer kurzen Runde des Zweifelns ging mir ein Licht auf: Es gibt jene Jobs, die dich zwingen sie zu erledigen, solche, die dir einen Schlag auf den Hinterkopf verpassen, sobald sich ein Anflug von Freude daran ankündigt. Und es gibt diese Jobs – meine Jobs –, für die sich jede schlaflose Nacht lohnt und für die man voller Stolz auf dem Zahnfleisch kriecht.

Lieben Dank also für die guten Wünsche! Aber ich bin bereits erfüllt.

Ich bin Sängerin.

In mehreren Jazzbesetzungen mache ich das, was intuitiv aus mir heraus will. Die Interaktion mit Publikum und Kollegen ist dabei elementar. Auf der Bühne bin ich niemandem Rechenschaft schuldig, kann mich dank der talentierten und resistenten Instrumentalisten um mich herum fallen lassen. In solchen Momenten ist alles an mir echt.

One Nighters: Das Akustikswing-Quartett One Nighters gibt es seit 2011. Ich liebe meine Männer! Ludger Vollmer (Violine) ist Weimarpreisträger 2014 und weltweit gefeierter Komponist. Frithjof Vollmer (Kontrabass) ist sein Sohn, Preisträger von „Jugend musiziert“ und politisch sehr ambitioniert. Andres Böhmer (Gitarre) zaubert zudem mit seinen Arrangements den unverwechselbaren Klang der One Nighters.

Combo „Für Ungeprobt Gar Nicht Mal So Scheiße“ (kurz: FUGNMSoS): Diese Kapelle bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung. Zur Festbesetzung um mich (Gesang), Ralf „Zappa“ Iben (Piano), Fabian Misch (Kontrabass) und Julian Wundrak (Drums) gesellen sich Instrumentalisten, die gerade greifbar sind. Proben? Müssen wir nicht. Sind ja alle vom Fach und Jazzstandards gehen auch früh um vier noch leicht von der Hand.

Soll’s ein wenig kleiner sein? Dann gibt es mich auch mit Andres Böhmer (Gitarre) als „Daddy And The Painted“ oder mit Ralf „Zappa“ Iben (Piano) als „Duo Graveyard“ (Arbeitstitel. Wir spielen aber auch auf Hochzeiten).

Ich bin Musikwissenschaftlerin.

Ja, ich habe keinen Gesang studiert. Keine Ahnung, warum. Aber selbst wenn mich das Studium in Leipzig mehr als ein Mal in ein großes Dilemma mit der Musikpraxis stürzte, bereue ich keinen Tag, dass ich durchgehalten habe. Der Schwerpunkt auf die Musiksoziologie hilft mir heute fast automatisiert, meist ohne, dass ich das Gelernte bewusst abrufen muss.

Ich bin Autorin.

Ohne Studium kein Buch. In einer Katerlaune sandte ich meine Magisterarbeit an einem Herbstnachmittag 2013 an alle themenspezifischen Verlage, die das Netz mir ausspuckte. Im Januar 2015 erschien bei der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung„Grenzgänger des Rock. Dean Reed, Udo Lindenberg und die DDR-Kulturpolitik“. ISBN, Baby!

Ich bin, na ja... nicht wirklich Journalistin.

Durch einen glücklichen Zufall landete ich gleich nach dem Studium für mehr als zwei Jahre im Arbeitsalltag einer Thüringer Tageszeitung. Die Begleitung der urbanen und freien Kulturszene lag mir in dieser Zeit besonders am Herzen. Heute noch sind einige studierte Journalisten meines Alters so freundlich mich darauf hinzuweisen, dass meine Artikel nicht wirklich einen journalistischen Mehrwert haben. Danke für eure Ehrlichkeit! Wohin wurdet ihr doch gleich versetzt?

Ich bin Veranstalterin.

Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich persönlich um die Realisation meiner eigenen Programme kümmere. So ungeschickt scheine ich mich dabei nicht anzustellen, denn die Anfragen sind mittlerweile genreübergreifend. Das freut mich!

Ich bin marketingaffin.

Aus Not mach Tugend. Auch um die Vermarktung meiner Person und meiner Projekte kümmere ich mich selbst. Ohne ein verlässliches Netzwerk funktioniert das natürlich nicht. Zu aggressives Marketing kann ich gar nicht leiden. Es geht auch mit Würde und Subtilität. Die Partner, die ich mit dieser Art bei ihren Vorhaben unterstütze, sehen das offenbar auch so.

Ich bin Chefredakteurin eines Satiremagazins.

Am 11.11.2015 erscheint UN NU?, Thüringens erstes Satiremagazin. Erfurter Künstler, Schriftsteller und Journalisten arbeiten seit dem Sommer emsig und ohne Pause an der Erstausgabe. Warum? Weil gute Satire dieser Tage notwendiger ist denn je! Das merken wir auch an der Vielzahl qualitativer Einsendungen, die uns bislang erreichten.